Am 4. Februar 2026 übergaben Bewohnerinnen und Bewohner der Studentenstadt dem Studierendenwerk München Oberbayern eine umfangreiche Schadensdokumentation und einen offenen Brief. Mehr als 2.400 Bilder und rund 900 dokumentierte Mängel machten sichtbar, was viele vor Ort seit Jahren erleben: Schimmel, Wasserschäden, defekte Infrastruktur und eine Verwaltung, die zu lange nicht ausreichend gehandelt hat.
2.400 Bilder gegen das Wegschauen
Die Dokumentation entstand aus der Bewohnerschaft heraus. Sie erfasste Mängel in gemeinschaftlich genutzten Bereichen: Küchen, Bäder, Toiletten, Flure, Keller und Gemeinschaftsflächen. Dokumentiert wurden unter anderem verschimmelte Fugen, beschädigte Arbeitsplatten, rostige und verschmutzte Kühlschränke, Wasserschäden, abblätternder Putz, defekte Heizkörper, offene Leitungen und allgemein stark vernachlässigte Räume.
Der Süddeutschen Zeitung lagen nach eigener Darstellung mehr als 2.000 Fotos vor. BR24 berichtete am 5. Februar 2026 ebenfalls über die Übergabe einer umfangreichen Fotodokumentation. Die Abendzeitung schrieb am 6. Februar, dass Bewohnerinnen und Bewohner 900 Schäden dokumentiert und Reparaturen sowie ein neues Wohnheimkonzept gefordert hätten.
Wer die Forderungen vertrat
Die Initiative kam aus einer losen Bewohnergruppe der Studentenstadt. Über den Gesamt-Heimrat der Studentenstadt wurden Yassine Elshayeb, Simon Schaub und Philipp Anton Hörterer legitimiert, Anliegen aus der Bewohnerschaft in dieser Auseinandersetzung zu vertreten.
Vor der Übergabe wurde das Vorgehen innerhalb der studentischen Selbstverwaltung diskutiert. Das Ergebnis war deutlich: Viele aus der Bewohnerschaft sehen die bisherige Form der Zusammenarbeit mit dem Studierendenwerk als gescheitert. Das Studierendenwerk bleibt zwar vorerst Vermieter und zuständige Struktur, aber das Vertrauen in ernsthafte Selbstverwaltung, demokratische Mitbestimmung und einen konstruktiven Dialog ist schwer beschädigt.
Offener Brief: nicht nur Reparaturen
Der offene Brief richtete sich an Wissenschaftsminister Markus Blume, die Bayerische Staatsregierung, den Münchner Stadtrat und das Studierendenwerk. Die Forderungen gingen bewusst über einzelne Reparaturen hinaus. Die Bewohnerschaft verlangte sofortige Instandsetzung, die Wiedereröffnung und Sicherung von Gemeinschafts- und Innovationsräumen, eine stärkere Förderung der Vereinskultur und ein neues Wohnheimkonzept für die Studentenstadt.
Für den offenen Brief wurden insgesamt mehr als 150 Unterschriften gesammelt. Das war wichtig, weil damit klar wurde: Die Kritik kam nicht von einzelnen lauten Stimmen, sondern aus einer breiteren Bewohnerschaft, die die Zustände nicht länger hinnehmen wollte.
Besonders deutlich war die Forderung nach einer neuen Trägerstruktur. Aus Sicht der Bewohnerschaft hat das Studierendenwerk über Jahre gezeigt, dass es die Studentenstadt nicht als sozialen, kulturellen und demokratischen Wohnraum entwickelt, sondern vor allem verwaltet. Genau dagegen richtete sich der offene Brief.
Mietminderung als Konsequenz
Mit der Übergabe wurde auch eine Mietminderungskampagne angestoßen. Die Bewohnerschaft machte damit klar: Wenn Gemeinschaftsflächen, Küchen und Bäder in einem Zustand sind, der die Nutzung erheblich einschränkt, darf das nicht nur als internes Verwaltungsproblem behandelt werden. Es betrifft unmittelbar die Wohnqualität und damit auch die Frage, wofür Bewohnerinnen und Bewohner Miete zahlen.
Die öffentliche Debatte griff diesen Punkt schnell auf. Die Süddeutsche Zeitung zitierte eine Immobilienrechtlerin mit der Einschätzung, dass insbesondere Gesundheitsgefährdungen durch Schimmel Anlass für eine deutliche Mietminderung bieten können. Für die Bewohnerschaft war das ein zentraler Punkt: Nicht die Kritik ist das Problem, sondern der Zustand, der diese Kritik notwendig macht.
Schnelle öffentliche Reaktion
Die Berichterstattung setzte unmittelbar ein. Die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte am 4. Februar einen großen Bericht unter der Frage, warum Studierende in München so leben müssen. BR24 berichtete am 5. Februar über Schmutz, Schimmel und Protest in der Studentenstadt. Die Abendzeitung griff am 6. Februar die politische Reaktion auf die Zustände auf.
Auch politisch war die Reaktion deutlich. Münchens Zweiter Bürgermeister Dominik Krause bezeichnete die Bilder laut Abendzeitung als fassungslos machend und kritisierte die CSU-Staatsregierung scharf. Die SPD-Stadtratsfraktion forderte sofortige Mängelbehebung und ein Sanierungsprogramm. Wissenschaftsminister Markus Blume nannte die Zustände gegenüber der AZ inakzeptabel.
Für die Bewohnerschaft zeigte diese Reaktion zweierlei: Erstens waren die Zustände nicht bloß subjektive Beschwerden einzelner Bewohnerinnen und Bewohner. Zweitens brauchte es eine massive öffentliche Dokumentation, damit diese Zustände überhaupt mit der nötigen Ernsthaftigkeit behandelt wurden.
2.400 Bilder waren nötig, damit nicht länger über Einzelfälle gesprochen werden konnte. Die Dokumentation zeigte ein strukturelles Problem.
Dokumente und Quellen
- Offener Brief der Bewohnerschaft: „Vorzeigeprojekt statt Verfall“ vom 31.01.2026
- Die Unterschriftenliste zum offenen Brief wird aus Datenschutzgründen nicht veröffentlicht.
- Die Fotodokumentation kann gerne auf Anfrage gesendet werden.
- Süddeutsche Zeitung, 04.02.2026: Warum müssen Studierende in München so leben?
- BR24, 05.02.2026: Studentenstadt mit Schmutz und Schimmel – Bewohner protestieren
- Abendzeitung München, 06.02.2026: Schock über Zustände in Münchner Studentenstadt
Dieser Beitrag wurde nachträglich zur Dokumentation der Ereignisse Anfang Februar 2026 ergänzt.