Am 11. Februar 2026 stellte das Studierendenwerk München Oberbayern einen Aktionsplan für die Altstadt der Studentenstadt vor. Nach außen klang das nach schneller Reaktion. Aus Sicht der Bewohnerschaft zeigte der Ablauf jedoch vor allem ein Grundproblem: Es wurde über die Bewohnerinnen und Bewohner gesprochen, aber nicht mit ihnen.

Ein Plan unter politischem Druck

Der Aktionsplan entstand nicht in einer ruhigen internen Aufarbeitung, sondern nach erheblichem öffentlichem und politischem Druck. Am 11. Februar musste sich die Geschäftsführung des Studierendenwerks im Wissenschaftsausschuss des Bayerischen Landtags kritischen Fragen stellen. Die Süddeutsche Zeitung berichtete am selben Tag von einer „letzten Chance“ für das Studierendenwerk.

BR24 berichtete am 12. Februar, das Studierendenwerk habe Versäumnisse eingeräumt und einen Aktionsplan mit zusätzlichen Reinigungstrupps, schnelleren Reparaturen und regelmäßigen Begehungen angekündigt. Die Abendzeitung griff am 13. Februar auf, dass das Studierendenwerk Sonderreinigungen, Reparaturen, regelmäßigere Informationen und eine Hausmeistersprechstunde in Aussicht stellte.

Damit war klar: Das Studierendenwerk musste reagieren. Unklar blieb aus Sicht vieler Bewohnerinnen und Bewohner aber, ob die angekündigten Maßnahmen tatsächlich die Ursachen der Zustände angreifen oder vor allem den öffentlichen Druck kurzfristig abfedern sollten.

Was angekündigt wurde

In einem Schreiben an die Bewohnenden vom 13. Februar nannte das Studierendenwerk mehrere Bausteine: eine lückenlose Bestandsaufnahme vor Ort, eine sofortige Reinigungskampagne, beschleunigte Schadensbehebung, mehr Transparenz und Dialog sowie die Öffnung einer internen Meldestelle für Bewohnerinnen und Bewohner.

Auf dem Papier klang das umfassend. In der Praxis blieb der zentrale Fehler jedoch bestehen: Der Plan wurde nicht gemeinsam mit den Menschen entwickelt, die die Zustände täglich erleben und die Schäden zuvor dokumentiert hatten.

Ohne Beteiligung der Betroffenen

Die Bewohnerschaft war nach eigener Darstellung nicht an der Erarbeitung des Aktionsplans beteiligt. Es gab keine transparente Abstimmung, keine echte Mitsprache der direkt Betroffenen und keine nachvollziehbare Priorisierung aus Bewohnerperspektive. Auch zur Vorstellung des Plans wurden Vertreterinnen und Vertreter der Bewohnerschaft nicht eingeladen.

Gerade das ist entscheidend. Wer täglich in den Häusern lebt, sieht, welche Schäden nur oberflächlich stören und welche die Nutzung von Küchen, Bädern, Toiletten und Gemeinschaftsflächen tatsächlich einschränken. Ohne diese Perspektive entstehen Maßnahmen, die sichtbar Aktivität erzeugen, aber an den wichtigsten Problemen vorbeigehen können.

Ein Aktionsplan für unsere Wohnqualität darf nicht über unsere Köpfe hinweg entstehen.

Kosmetik statt Struktur

Bis zum Ablauf der gesetzten Frist am 18. Februar wurde in der Studentenstadt sichtbar gearbeitet. Es wurden Küchen und Bäder gereinigt, Kühlschränke und Öfen ausgetauscht, Fugen erneuert und Handwerker in die Häuser geschickt. Das war nicht nichts. Aber es reichte nicht aus, um die strukturellen Probleme zu lösen.

Aus Sicht der Bewohnerschaft waren viele Maßnahmen vor allem kosmetisch. In einzelnen Küchen wurden Geräte ersetzt, obwohl manche Ausstattung erst kurz zuvor erneuert worden war. Teilweise wurden verschimmelte oder beschädigte Stellen mit neuen Leisten überdeckt, statt die Ursache sichtbar und nachvollziehbar zu beseitigen. In Gemeinschaftsduschen wurden Fugen neu gezogen, ohne dass damit automatisch geklärt war, ob Feuchtigkeit, Schimmel und beschädigte Substanz dauerhaft behoben sind.

So entstand der Eindruck einer Hauruck-Aktion: viel sichtbare Bewegung in kurzer Zeit, aber kein belastbarer Plan, wie Instandhaltung künftig systematisch, kontrollierbar und gemeinsam mit der Bewohnerschaft funktionieren soll.

Die Erklärung reicht nicht

Vor dem Landtag erklärte die Geschäftsführung des Studierendenwerks laut Süddeutscher Zeitung, man habe über den Maßnahmen zur Sanierung der Neustadt vergessen, in der Altstadt genauer hinzuschauen. Aus Sicht der Bewohnerschaft ist genau das Teil des Problems: Bewohnte Häuser, genutzte Gemeinschaftsküchen und sanitäre Anlagen dürfen nicht erst dann wieder Aufmerksamkeit bekommen, wenn 2.400 Bilder öffentlich Druck erzeugen.

Der Verweis auf die Neustadt erklärt nicht, warum Schäden über lange Zeit nicht wirksam erkannt, priorisiert und behoben wurden. Er erklärt auch nicht, warum demokratisch legitimierte Strukturen der Bewohnerschaft nicht als Ressource genutzt wurden. Gerade bei einer Anlage dieser Größe braucht es funktionierende Rückkopplung vor Ort, nicht nur Verwaltung aus der Distanz.

Was der Aktionsplan gezeigt hat

Der Aktionsplan zeigte deutlich, dass Instandhaltung ohne Beteiligung der Bewohnerinnen und Bewohner schlecht priorisiert werden kann. Das Problem war nicht nur, dass zu wenig gearbeitet wurde. Das Problem war, wie gearbeitet wurde: kurzfristig, reaktiv und ohne verbindliche Einbindung derjenigen, die die Wohnrealität am besten kennen.

Für die Bewohnerschaft blieb deshalb die Konsequenz bestehen: Solange Mängel die vertragsgemäße Nutzung der Wohnräume und Gemeinschaftsflächen einschränken, bleibt die Forderung nach Mietminderung berechtigt. Gleichzeitig braucht es mehr als einzelne Reparaturen. Es braucht demokratische Ansprechstrukturen, verbindliche Kontrolle und eine Wohnheimverwaltung, die studentische Mitbestimmung nicht als Störung behandelt, sondern als Voraussetzung für funktionierende Wohnheime.

Dokumente und Quellen

Dieser Beitrag wurde nachträglich zur Dokumentation der Ereignisse im Februar 2026 ergänzt.